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Getrennte Wege (1950)

Getrennte Wege (1950)

Nach mehr als 50 Jahren des Auf- und Aus­baus der Strom­ver­sor­gung im Tal­kes­sel hatte sich die Elek­tri­zi­täts­wirt­schaft in Schwyz etabliert.

Die damit ver­bun­de­nen Annehm­lich­kei­ten erleich­ter­ten das All­tags­le­ben und wurden längst rundum geschätzt. Die erfolg­rei­che Ent­wick­lung trug wesent­lich dazu bei, dass der Bezirk Schwyz als Kon­zes­si­ons­ge­ber auf­ge­for­dert wurde zu prüfen, ob sich ein bezirks­ei­ge­nes Elek­tri­zi­täts­werk, ein «Eigen­werk», nicht lohnen würde, anstatt die Kon­zes­sion an ein «frem­des» Werk zu ver­ge­ben. Aus der Bezirks­bür­ger­schaft for­mierte sich eine Befür­worter­gruppe, die mit gros­sem Eifer eine Kam­pa­gne «pro Eigen­werk» los­trat und verfolgte. 

Kon­zes­si­ons­frage erhitzt die Gemü­ter
Die Frage, ob die Elek­tri­zi­täts­ver­sor­gung auf bezirks­ei­ge­nem Gebiet quasi ver­staat­licht oder wie bis anhin pri­vat­wirt­schaft­lich orga­ni­siert werden sollte, bewegte gewal­tig. Das Komi­tee «Für Volk und Heimat» und Gleich­ge­sinnte kämpf­ten vehe­ment und mit mar­ki­gen Sprü­chen in Wort und Schrift für ein Eigen­werk. Fast so, als ob von dieser Frage viel mehr abhinge als das durch­aus wich­tige Anlie­gen der Elektrizitätsversorgung:» 

«Schwy­zer! Hütet Euch an der Muota!
Tretet an zum Kampf für das bezirks­ei­gene Kraft­werk!
Wach auf, freier Schwy­zer!
Drum Schwy­zer­volk ännet und hiehar vom Mythä,
lass’s Wasser nid ohni 100% Eigär­ächt dur d’Muota la ritä!» 

Auf poli­ti­scher Ebene und EWS-Seite nahm man (mit Per­spek­tive 1957, Ablauf der Kon­zes­sion) das Thema «Eigen­werk» not­ge­drun­gen sehr ernst. Man agierte aller­dings weni­ger laut­stark und sach­be­zo­ge­ner. Der Wunsch nach einem Eigen­werk war erkannt. Nur: Musste dieses Vor­ha­ben gänz­lich auf Kosten von EWS rea­li­siert werden? Wie also weiter? Die ent­schei­dende aus­ser­or­dent­li­che Bezirks­ge­meinde war auf den 15. Okto­ber 1950 ein­be­ru­fen worden. Dem Stimm­bür­ger lagen zwi­schen­zeit­lich drei Vor­schläge vor, die sich in Kurz­form wie folgt umschrei­ben lassen: 

A: Das pri­vate Unter­neh­men EWS wird in ein gemischt­wirt­schaft­li­ches umge­wan­delt, an wel­chem Kanton, Bezirk und Gemein­den zu 40 Pro­zent kapi­tal­mäs­sig betei­ligt und anteil­mäs­sig ent­spre­chend im Ver­wal­tungs­rat ver­tre­ten sind. EWS behält ihr bis­he­ri­ges Energieverteilungsgebiet. 

B: Kanton, Bezirk und Gemein­den grün­den zusam­men mit EWS die Muota­kraft­werke AG“, welche das Werk Wer­nis­berg von EWS erwirbt. EWS wird künf­tig als Ener­gie­ver­tei­lungs­un­ter­neh­men eingesetzt. 

C: Der Bezirk erwirbt nach Ablauf der lau­fen­den Kon­zes­sion das Kraft­werk Wer­nis­berg und die Ver­teil­an­la­gen von EWS. Die Anla­gen werden auf ein neues, öffent­li­ches Unter­neh­men über­tra­gen, wel­ches dar­auf­hin die Gemein­den des Bezir­kes mit Ener­gie ver­sor­gen wird. 

Der Bezirks­rat bean­tragte der Ver­samm­lung die Geneh­mi­gung der Lösung A. Gegen­über den Vari­an­ten B und C hegte man zu viele recht­li­che und wirt­schaft­li­che Bedenken. 

Bezirks­ver­samm­lung setzt Eigen­werk durch
Doch: Die Bezirks­ver­samm­lung folgte dem bezirks­rät­li­chen Antrag nicht. Nach rund 2,5 Stun­den inten­si­ver Debatte und eini­gen Jahren der vor­an­ge­hen­den Aus­ein­an­der­set­zung mit diesem Thema wurde die Vari­ante C mit einer Zwei­drit­tel­mehr­heit ange­nom­men. Das eigene Elek­tri­zi­täts­werk für den Bezirk Schwyz war somit beschlos­sene Sache. 

Die Elek­tri­zi­täts­werk des Bezir­kes Schwyz AG (EBS) wurde am 28. Februar 1952 gegrün­det und keinen Monat später im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen. EWS und EBS muss­ten nun ihr «Neben­ein­an­der» klären. Eine wahr­haft schwie­rige, lange andau­ernde Her­aus­for­de­rung. Letzt­lich aber resul­tierte daraus eine respekt­volle Koexistenz. 

Emo­tio­nale Bezirks­ge­meinde vom 15. Okto­ber 1950. Der Ring zu Ibach platzt aus allen Nähten
(Bild: Staats­ar­chiv Schwyz).

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